Der Deutsche Presserat wacht in Deutschland über die Einhaltung des Pressekodex. Im September hat er neun Rügen, 22 Missbilligungen und 33 Hinweise ausgesprochen. Wieder einmal ging es auch um Fotos und Persönlichkeitsrechte. Unter anderem hat der Presserat die Berichterstattung der Bildzeitung zum G20-Gipfel missbilligt. Unter der Überschrift „Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?” berichtete die Zeitung im Juli in ihrer Print- sowie Onlineausgabe über die Proteste beim G20-Gipfel in Hamburg.

Gezeigt wurden hierbei Einzelfotos von Demonstranten. Das fand der Presserat noch nicht problematisch – das öffentliche Interesse habe das gerechtfertigt. Der Leser wurde aber darüber hinaus in dem Artikel zur Fahndung nach den abgebildeten Personen aufgerufen. Das ging dem Gremium zu weit: „Es gehört nicht zur Aufgabe der Presse, selbständig nach Bürgern zu fahnden, ohne dass ein offizielles Fahndungsersuchen seitens der Staatsanwaltschaft vorliegt“, heißt es – verbunden mit der Sorge, dass so eine Berichterstattung zu Selbstjustiz anregen könnte.

Gerügt wurden Bild Online und TZ Online, weil sie Fotos und persönliche Informationen von Menschen veröffentlichten, die bei einem Attentat in Manchester ums Leben kamen. Hier steht der Opferschutz nach Ansicht des Presserats höher als das öffentliche Interesse an ihrer Person.

Eine Warnung sollte vor allem diejenigen aufhorchen lassen, die hin und wieder als Freie Mitarbeiter Beiträge für die Zeitung schreiben. Denn von der eigene Veranstaltung zu berichten, widerspricht dem Gebot, dass Journalisten Doppelfunktionen voneinander zu trennen haben. Das Traunsteiner Tagblatt wurde gerügt, weil dort der Zweite Bürgermeister einer Gemeinde über eine Veranstaltung mit dem Ersten Bürgermeister berichtet hatte.