Dass es in Diktaturen und autokratischen Medien so gut wie keine freie und unabhängige Presse gibt, ist kaum überraschend. Doch auch demokratisch verfasste Länder bieten in Sachen Pressefreiheit Anlass zur Sorge. Dass zeigt der aktuelle Bericht, den die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ am 26. April veröffentlichte. In knapp zwei Drittel der 180 untersuchten Länder hat sich demnach die Situation für Journalisten verschlechtert. Dazu habe nicht nur das „rücksichtslose Vorgehen der Regierungen in Ländern wie Ägypten oder Burundi“ sowie in der Türkei beigetragen. Auch in Demokratien wie Großbritannien, Polen oder den USA zeigten Politiker offen ihre Abneigung gegen Medien, erließen restriktive Gesetze oder versuchten, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen. Michael Rediske, Vorstandssprecher von „Reporter ohne Grenzen“, kritisierte das und nahm diese Länder in die Pflicht: „Demokratische Regierungen dürfen den Autokraten der Welt durch Überwachungsgesetze oder demonstrative Geringschätzung unabhängiger Medien keinen Vorwand für ihre Repression gegen Journalisten liefern.“

Deutschland liegt unverändert auf Platz 16, Finnland musste erstmals seinen ersten Platz für die beste Situation der freien Presse an Norwegen abtreten. Großbritannien und die USA haben je zwei Plätze verloren und liegen auf den Rängen 40 und 43. Am stärksten sind Journalisten in Eritrea und Nordkorea eingeschränkt. Insgesamt sei die Pressefreiheit weltweit auf dem Rückzug, stellt „Reporter ohne Grenzen“ fest. Der globale Indikator, den die Organisation aus der Rangliste ermittelt, habe in diesem Jahr einen neuen Negativrekord erreicht.